Die ehemalige Hosenfabrik

 

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In Stangendorf war industrielles Gewerbe seit jeher spärlich vorhanden. Der Ort hat, mal von der einstigen LPG abgesehen, keine grösseren Betriebe beherbergt. Lediglich kleine, mehr oder weniger mittelständische, Unternehmer haben in Stangendorf mit ihrer Geschäftsidee in den verschiedenen Jahrhunderten Fuss gefasst oder sich hier niedergelassen.

 

Es gab neben einigen Bäckerein in der Vergangenheit auch Schmiederein, Schlosserein, Zimmer- und Tischlerein und häusliche Weberei.

Die Textilbranche war in Stangendorf im Gegensatz zur im oberen Mülsengrund recht weit verbreitenden Form der Hand- und Hausweberei eher weniger vertreten. Neben der Hausweberei Bochmann, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg die Ansiedlung durch die Helmut Schuster Hosenfabrik KG, die ihren Firmensitz in der heutigen Strasse „Am Feuerwehrhaus“ hatte.

 

Helmut Schuster begann kurz nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nach Ende des 2. Weltkrieges in seiner heimatlichen Wohnung in Mülsen St. Niclas mit dem Nähen von Latzhemden und Nachfertigen von FDJ-Hemden&xnbsp; sowie FDJ-Blusen mit Schlaufen und dergleichen.

Der gelernte Wäscheschneiderrmeister nutzte hierzu seine Wissen und seine jahrelange berufliche Erfahrung, die er im Familien- und Bekanntenkreis weiter gab und die schliesslich in dem Bestreben endete, zu Beginn der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts den Aufbau einer eigenen Fabrik voranzutreiben.

 

Hier in Stangendorf fand er dazu ein geeigntes Objekt, eine ehemalige kleinere Gaststätte, die er dann zur industriellen Fertigung von Hosen aus- und umbaute. Später erfolgte der Aufsatz einer Dachwohnung am Gebäude. Von 1951 bis 1972 haben etwa 12 Näherinnen in der Fabrik gearbeitet.

Dann verlagerte der „Hosen-Schuster“ seine Produktion in den Nachbarort Mülsen St. Micheln, erwarb dort ein grösseres Objekt neben dem Schettler-Gut und baute es zu einem grösseren Areal, der neuen Hosenfabrik, aus.

 

         Bild links: Die Hosenfabrik um 1955. Bild rechts: Das Gebäude heute, Juli 2005.

 

Von nun an beschäftige der Firmeninhaber an die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einschliesslich eigenes Büropersonal.

Im Zuge der sogenannten Zwangsverstaatlichung durch die DDR-Regierung im Jahre 1972 wurde aus der Hosenfabrik KG ein staatseigener VEB.

Einige Jahre später erfolgte die Umbennung und Eingliederung des Betriebes in die VEB Lössnitzer Bekleidungswerke, späterhin zum VEB Eldamo bzw. Westsächsische Bekleidungswerke Zwickau.

 

Diese wurden mit Ende der DDR aufgelöst und in die Treundhand übertragen. Das Objekt in Mülsen St. Micheln wurde 1990 von der ältesten Tochter zurück erworben, in dem heute eine Textilpflege und Wohnräume untergebracht sind.

Die einstigen Räume in Stangendorf wurden ab 1972 von der Konsumgenossenschaft als Einkaufsstätte genutzt, die dann im Jahr 1991 aufgelöst wurden. Das Haus ist heute im Privatbesitz der Familie Lerch.


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